Einmal Iran und zurück

Geboren bin ich im Iran, aufgewachsen in Deutschland. Wo ist meine Heimat? Ich spreche die Sprache des Landes indem ich geboren wurde, esse und koche das Essen dieses Landes und doch bin ich anders. Vor meiner Reise in den Iran, gab es diesen Konflikt nicht. Die Frage nach meinem Ich und wo eigentlich meine Heimat ist, habe ich mir selten gestellt. Denn ist Heimat nicht der Ort an dem man geboren wurde? Schließlich fließt das Blut meiner Eltern durch meine Adern und sie sind Iraner und ihre Heimat ist der Iran, obgleich sie seit 25 Jahren in Deutschland leben. Nach 25 Jahren betrete ich also wieder iranischen Boden unter meinen Füßen. Das Kopftuch macht mir nichts, nur die Hitze des Sommers darunter macht mir ab und an zu schaffen. Warum ich diese Reise überhaupt angetreten habe? Meine Großmutter ist vor einem Jahr gestorben. Ihr erster Todestag steht bevor und ich wollte meiner Mutter eine stütze sein. Ich erinnere mich kaum an meine Oma. Um ehrlich zu sein, weiß ich nichts über sie. Und doch habe ich das Gefühl sie zu vermissen. Ich trage im Iran manchmal ihre Kopftücher, um mich ihr näher zu fühlen. Ich war so sehr gespannt auf diese Reise, wollte das Land entdecken und am liebsten jeden Stein einmal umdrehen. Stattdessen wurde ich entmündigt. Mir war es nicht erlaubt allein vor die Tür zu gehen oder gar zu bestimmen was ich gerne tun und sehen würde. Ich bin doch in meiner Heimat dachte ich. Meine Aufgabe bestand darin Blumen in den Arm gedrückt zu bekommen und Verwandtschaft und Familie zu besuchen. Menschen, die ich zuvor nie gesehen habe oder an die ich mich nicht erinnern konnte, weil ich einfach zu klein war, sollte ich plötzlich so behandeln als wären diese 25 Jahre nie dazwischen gewesen. Mir fiel es schwer. Schwer zu akzeptieren, dass ich in meiner Heimat, in der ich zurückgekehrt war, mich nicht heimisch fühlen durfte. Ich fühlte mich wie die kleinen Kinder auf dem Bazar, die auf den Armen ihrer Eltern durch die Gesellschaft getragen werden. Ich bin doch eine unabhängige erwachsene junge Frau, wie in Deutschland auch. Selbstbestimmung ist etwas sehr wertvolles in meinem Leben. Selbstbestimmung gehört im Iran aber nicht zur Selbstverständlichkeit. Meist entscheidet die Familie. Zum Rauchen verstecken sich einige Frauen vor ihren Männern, obwohl diese genau wissen, dass sie rauchen. Das verstellen und verbergen der eigenen Identität scheint im Iran etwas natürliches zu sein. Also zieht man sich besser zurück und legt sich hin.

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